Carl Füglistaller-Frey (1872-1956)

Im selben Jahr 1901, in dem die Villa Hirzbodenweg 103 erstand, erteilte der damals 29jährige Kaufmann Carl Füglistaller-Frey (1872-1956) den Architekten Suter & Burckhardt den Auftrag, auf dem daneben gelegenen Areal ein Wohnhaus zu erbauen. Er war der zweite Sohn des Bierbrauers Bernhard Füglistaller-Sprenger aus Jonen im aargauischen Freiamt, der 1869 die kleine Haus- und Wirtschaftsbrauerei «zum Warteck» an der alten «Deutschen Bahnhofstrasse» gegenüber dem damaligen Badischen Bahnhof übernommen hatte; dort kam er am 11. Dezember 1872 zur Welt. Nach einer kaufmännischen Lehre in einer Basler Bank und einem seiner Weiterbildung dienenden Aufenthalt in Italien trat er 1900 in die von Georg Kiefer, dem Grossvater seiner Gattin, gegründete Glas- und Porzellanwarenfirma an der Freien Strasse ein, die er, seit 1928 unter seinem eigenen Namen, weiterführte; durch die ihm eigene solide und umsichtige Art, seinen Optimismus und seine Tatkraft verhalf er dem Unternehmen zu seinem erfreulichen Aufschwung. Als Präsident des Verwaltungsrats der Füglistaller AG verblieb er bis zu seinem Tod an der Spitze des Geschäfts, während er dessen aktive Führung schon 1942 in die Hände seines einzigen Sohnes gelegt hatte. Ein halbes Jahrhundert lang war Carl Füglistaller mit der ehemaligen Handwerkerbank verbunden, der er seit 1906 als Suppleant und Revisor, seit 1917 als Mitglied des Verwaltungsrats diente. 1929 zu dessen Präsidenten gewählt, leitete er bis 1955 die Geschicke des Instituts mit sicherem und überlegenem Urteil. Täglich führte ihn sein Weg in die Bank, mit deren Mitarbeitern er einen schönen menschlichen Kontakt pflegte. 1921 wurde Carl Füglistaller in den Verwaltungsrat des väterlichen Unternehmens, der Brauerei zum Warteck AG, berufen, das inzwischen aus dem patriarchalischen Gewerbe zum industriellen Grossbetrieb herangewachsen war. Seit 1930 Vizepräsident und seit 1932 Delegierter des Verwaltungsrats, bildete er aufgrund seiner reichen kaufmännischen Erfahrung eine wertvolle Stütze der Firma, der er bis zu seinem Hinschied eine anhängliche Treue bewahrte. Nach dem frühen Verlust seiner Gattin wurde die Musik für Carl Füglistaller zur unversieglichen Quelle des Trostes und der Stärkung. Selbst ein schaffender Komponist, fand er am Klavier immer wieder jene bewundernswerte Ausgeglichenheit, die er im Umgang mit seinen Mitmenschen so wohltuend und beglückend ausstrahlte.
In der sonnigen Klarheit des geliebten Engadins wie in der Umgebung Basels entstanden in einsamen Stunden und auf Spaziergängen Carl Füglistallers köstliche «Värs und Gedanke für myni Chinder und Fründ», deren Sammlung ihm die väterliche Firma als Gabe zum Eintritt ins neunte Jahrzehnt auf den Geburtstagstisch legte. Sie spiegeln nicht nur die urwüchsige Sprache, in der die Mundart seiner aus der Schwibbogenmühle in Rheinfelden stammenden Mutter zeitlebens so vertraut anklang, sondern auch die kraftvolle und zuversichtliche, lebensfrohe und dankbare Natur seiner harmonischen Persönlichkeit, die im Alter von 84 Jahren am irdischen Ziel anlangte.

Carl Füglistaller-Frey