Der Schöpfer der Villa Hirzbodenweg 95 war Otto Burckhardt-Boeringer (1872-1952), einer der letzten Architekten, die noch vor dem Ersten Weltkrieg massgebend zur Gestaltung des Basler Stadtbildes beitrugen. Nahezu drei Dezennien jünger als sein Kollege Eduard Vischer-Sarasin, kam er 1872 zur Welt, zwei Jahre nachdem dieser sein Bureau eröffnet hatte; doch entstammte er als Sohn des Staatsanwalts und späteren Regierungsrats Dr. Johann Jacob Burckhardt-Iselin derselben Schicht der baslerischen Gesellschaft, und gleich ihm wurde er in seinem Schaffen durch die Ecole des Beaux-Arts in Paris wesentlich geprägt. Vor seinem Studienaufenthalt in der französischen Metropole hatte Otto Burckhardt in Basel nach der Maturität an der damaligen Oberen Realschule (danach Mathematisch-Naturwissenschaftliches Gymnasium) noch die Zeichen- und Malkurse von Fritz Schider besucht und die kunstgeschichtlichen Vorlesungen von Jacob Burckhardt gehört. Den Grund zu seinem beruflichen Können legte er als Mitarbeiter von Charles Meves in Paris, einem der führenden französischen Architekten des 19. Jahrhunderts. Trefflich vorbereitet, fasste er nach längeren Studienreisen in Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien mit 29 Jahren dauernd in Basel Fuss, wo er 1901 zusammen mit seinem Freund Rudolf Suter (1871-1932) die Architekturfirma Suter & Burckhardt gründete. Die beiden Partner ergänzten sich in glücklicher Weise: Während der Sinn Rudolf Suters mehr nach der praktisch-funktionellen Seite des Berufs orientiert war, lag die Stärke Otto Burckhardts im künstlerischen Bereich, und so darf die architektonische Gestaltung der Villa am Hirzbodenweg, die dem jungen Bureau als einer seiner ersten Aufträge zuteil wurde, wohl zu Recht als sein Werk betrachtet werden. Er konnte damals nicht ahnen, dass sein Erstling 57 Jahre später der Wohnsitz von Paul Simonius-Vischer, einem Cousin seiner Gattin, der Tochter von Charles Boeringer und Adele Simonius, werden würde. Rasch nahm die Architektengemeinschaft Suter & Burckhardt eine führende Stellung im Basler Bauwesen ein; schon nach wenigen Jahren wurden ihr neben privaten Wohnhäusern von bedeutenden Firmen, Banken, Versicherungsgesellschaften und industriellen Unternehmen wichtige und verantwortungsvolle Aufgaben anvertraut. Ihr Werk war ebenso der Bau des Friedhofs am Hörnli, dessen Gestaltung Otto Burckhardt ein besonderes Anliegen war; hier konnte sich seine künstlerische Berufsauffassung aufs Schönste entfalten. Sie bewährte sich auch bei der Restaurierung historischer Bauten, die er mit bewundernswertem Einfühlungsvermögen und meisterhafter Stilsicherheit durchführte. Als er sich 1945 aus der aktiven Tätigkeit zurückzog, durfte er es tun im Bewusstsein, im Gefühl hoher Verantwortung wesentlich zur baulichen Entwicklung Basels beigetragen zu haben; doch verhehlte er sich nicht, dass sich in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg mehr und mehr eine vor allem technisch bedingte, nüchterne Betrachtungsweise durchsetzte, die der von ihm vertretenen, an der Schönheit alter Architektur geschulten Richtung stets weniger Raum liess. Sieben Monate vor der Vollendung des achten Jahrzehnts setzte am 29. April 1952 eine Herzschwäche dem Leben dieser vom Geist hoher Kultur beseelten Persönlichkeit ein Ende.
